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Stimmung auf dem Immobilienmarkt sinkt

Die Corona-Krise wird weitreichende Folgen für den Immobilienmarkt haben. Wenn jetzt schon bis dato so erfolgreiche Unternehmen wie Deichmann und H & M ihre Mietverträge stunden, wie sieht es dann erst für die vielen kleinen Einzelhändler und Unternehmen aus, die über wenig Liquiditätsreserven verfügen? Und was kommt auf die Vermieter zu? Da die Immobilienwirtschaft eng mit der Finanzwirtschaft verbunden ist, können Mietausfälle bei den Immobilieneigentümern zu Liquiditätsengpässen bis hin zur Zahlungsunfähigkeit und Zwangsversteigerung führen.

Entsprechend schlecht ist die Stimmung auf dem Immobilienmarkt. Nach einer aktuellen Umfrage von EY Real Estate erwarten 76 Prozent der Immobilienunternehmen für dieses Jahr sinkende Investitionssummen. Drei Monate vorher hatten dies nur 16 Prozent der Unternehmen prognostiziert. Die Ergebnisse der EY Studie, bei der über 300 Teilnehmer aus der Immobilienwirtschaft befragt wurden, lassen sich wie folgt zusammenfassen.

  • Privatimmobilien: Während vor drei Monaten noch 55 Prozent der Marktteilnehmer steigende Preise prognostiziert hatten, erwarten jetzt nur noch 16 Prozent einen Preisanstieg. Ebenso hatten zu Jahresbeginn nur vier Prozent der Marktteilnehmer sinkende Preise erwartet. Jetzt sind es 34 Prozent. Aber immerhin geht die Hälfte davon aus, dass das Preisniveau bei den Wohnimmobilien gleich hoch bleibt.
  • Logistikimmobilien: Sie kommen nach Ansicht der Befragten gut durch die Krise. Der Lieferverkehr steigt gerade noch einmal. Rund 33 Prozent der Marktteilnehmer erwarten steigende Preise in diesem Segment. 28 Prozent hingegen prognostizieren einen Preisrückgang. 
  • Büroimmobilien: Der Boom scheint vorbei zu sein. Mittlerweile erwarten 73 Prozent der Befragten rückläufige Preise bei Büroimmobilien. Das in der Krise erprobte Home-Office könnten viele Unternehmen in Zukunft fortführen. Zu Jahresbeginn war die Stimmung noch sehr gut – nur zwei Prozent der Befragten prognostizierten damals einen Preisrückgang.
  • Einzelhandel: die Corona-Krise trifft die Einzelhandelsimmobilien besonders stark. Dieses Segment hat schon seit Jahren einen schweren Stand. Vor allem in den Randlagen und Vorstädten stehen viele Ladenlokale leer. Jetzt geraten auch die guten Lagen in den Innenstädten und Shopping-Centern durch die behördlichen Schließungen in Not. Große Händler haben bereits ihre Mietzahlungen gestundet und Mietpreisverhandlungen angekündigt. 87 Prozent der Befragten erwarten daher sinkende Preise. Zu Jahresanfang waren das nur 38 Prozent.
  • Hotelimmobilien: Sie trifft die Corona-Krise mit voller Wucht. Das gesamte Oster- und Frühjahrsgeschäft ist weggebrochen. Das drückt auf die Stimmung. Fast alle Befragten erwarten jetzt sinkende Preise. Vor drei Monaten wurden noch gleichbleibende Preise prognostiziert.
  • Neubauten: Fast alle Befragten erwarten einen Rückgang bei den Neubauten. Viele Investoren werden ihre geplanten Projekte auf den Prüfstand stellen und die wirtschaftliche Entwicklung nach Corona abwarten. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet auch rückläufige Investitionen in Bestandsgebäude.  

Die Bundesregierung muss alles dafür tun, dass die Hilfsmaßnahmen für die Mieter nicht zu Kollateralschäden bei den Vermietern führen und letztendlich auf das Finanzsystem durchschlagen.